Wie alles begann
Die ersten Informationen über dieses hochinteressante, aber bis dahin uns noch nicht vertraute Land erhielten wir vor 5 Jahren von unserem Mitarbeiter, Jean Pierre Shungu Osongo Okitatoko, welcher aus dem Kongo stammt. Herr Shungu brachte uns die Vielfältigkeit des Landes, aber auch die immensen Schwierigkeiten der Menschen dort näher.
Obgleich die DR Kongo von Wasserläufen umgeben ist, steht einem Großteil der Bevölkerung kein Trinkwasser zur Verfügung. Nach zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen ist die Infrastruktur des Landes größtenteils zerstört. Hunderttausende von Menschen waren und sind zum Teil auch heute noch auf der Flucht vor unberechenbaren Kämpfen und haben sich in Flüchtlingslagern niedergelassen, in denen es jedoch an Trinkwasser, Hygiene und menschenwürdigen Unterkünften mangelt. Ein Großteil der dort lebenden Personen sind Kinder. Neben den militärischen Auseinandersetzungen und immer wieder aufkeimenden Kämpfen von Rebellengruppen hatte die Regierung unter Präsident Kabila, welche deutlich einen Demokratisierungsprozess des Landes anstrebt, auch immer wieder mit politischen Schwierigkeiten im Land zu kämpfen. So ist aufgrund dieser Situation vom kongolesischen Staat angesichts der sehr begrenzten Mittel keine große Unterstützung bei der Bekämpfung dieser Basisprobleme zu erwarten. Die Menschen dieses einst durch Rohstoffvorkommen sehr wohlhabenden und vielfältigen Landes geraten jedoch immer weiter in eine Spirale aus Krankheit und Armut.
Nach zahlreichen Gesprächen mit Herrn Jean Pierre Shungu entschlossen wir uns, erste Schritte in Richtung DR Kongo zu wagen. Da unser Unternehmen im Bereich technischer Installationen tätig ist und die Wasseraufbereitung eines unserer Hauptbeschäftigungsfelder darstellt, sahen wir in diesem Bereich gute Ansatzmöglichkeiten. Eine zur damaligen Zeit von uns entwickelte Wasseraufbereitungsanlage, welche mit UV-Strahlung arbeitet und sehr günstig in der Herstellung ist, erschien uns als äußerst geeignetes Produkte, um den vorherrschenden Trinkwassermangel dort zu lindern und erste Kontakte im Land aufzunehmen.
Nach einer mehrmonatigen Anlauf- und Planungsphase reiste Jean Pierre Shungu, um erste Vorgespräche zu führen und geeignete Arbeitsmöglichkeiten für unser Unternehmen zu schaffen. Es wurde ein Büro angemietet und eingerichtet und Musteranlagen in den Kongo gebracht. Dieser Prozess gestaltete sich aufgrund der kaum vorhandenen Infrastruktur sehr schwierig. Kommunikationsmittel waren nur sehr spärlich vorhanden, Telefongespräche aufgrund des veralteten Telefonnetzes zu Anfang kaum möglich. Auch der Transport von Gütern stellte uns oft vor Schwierigkeiten, da die Transportwege für Fracht per Schiff äußerst langwierig sind, zahlreiche Besonderheiten sind hierbei zu beachten. Der Transport der Güter vom Entladehafen in die Stadt Kinshasa über das zum Teil zerstörte Strassennetz brachte weitere Probleme mit sich. Während seiner Besuche hier in Deutschland und über das Internet hielt Jean Pierre Shungu uns über die Entwicklung vor Ort auf dem Laufenden und teilte uns mit, welche Dinge im Land am dringendsten benötigt wurden.
Unsere Hauptaufgabe sahen und sehen wir bis heute darin, den Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen sowie die sanitären Bedingungen zu verbessern und so die Verbreitung von Krankheiten und die Säuglingssterblichkeit einzudämmen.
Nachdem unser Büro in Kinshasa funktionsfähig war, wurden zahlreiche Kontakte zu verschiedenen staatlichen und nicht-staatlichen Organisationen geknüpft, darunter verschiedene Ministerien und die Regideso, welche für die Wasseranlagen im Raum Kinshasa verantwortlich ist. Von allen Seiten stand man unseren Vorschlägen positiv gegenüber und sagte Unterstützung zu.
Im Sommer 2004 entschied sich Herr Schellenberg, Leiter des Unternehmens, zusammen mit einem Geschäftspartner trotz einer Reisewarnung des Auswärtigen Amtes zu einer persönlichen Reise in die DR Kongo, um sich selbst ein Bild von der Lage vor Ort machen zu können. Während der einwöchigen Reise fanden zahlreiche Gespräche und Informationsbesuche statt.
Neben einem kurzen Besuch bei der deutschen Botschaft wurden verschiedene Ministerien aufgesucht:
Während einer Audienz mit Herrn Kamanda wa Kamanda, dem Minister für Wissenschaft und Technologie wurde eine Zusammenarbeit mit dem Internationalen Zentrum für Wasser in Kinshasa angesprochen, welches mit der Universität Montreal, Kanada kooperiert. Eine derartige Zusammenarbeit wurde von beiden Seiten sehr befürwortet. Der Minister versicherte uns die Befürwortung unserer Projekte.
Auch der Minister für ländliche Entwicklung, Herr Pardonné Kaliba wa Mulanga, zeigte sich an unseren Technologien sehr interessiert. Insbesondere einfache und wirksame Technologien für ländliche Gebiete, zur Solarenergie, Elektrifizierung, Kommunikation und Wasserbehandlung sind für ihn ausserordentlich wichtig. Insbesondere in Deutschland entwickelte und gefertigte Technologien haben in der DR Kongo einen hohen Stellenwert; dies gab man uns häufig zu verstehen.
Über konkrete Bedürfnisse des Landes wurde auch im Energieministerium gesprochen, da dort in Kürze verschiedene Projekte zur Elektrifizierung, Wiederherstellung der Stromverteilungsnetze und dem Bau neuer Trinkwasseranlagen beginnen sollen. Hier gestaltet sich die Finanzierung jedoch noch schwierig, während das Ministerium für öffentliche Arbeit über einen Kredit von ca. 500 Mio. USD, finanziert von der afrikanischen Entwicklungsbank, der EU und der Weltbank, verfügt. Herr Minister Endundu Bonoge ermutigte uns bei unserem Vorhaben und berichtete über internationale Ausschreibungen.
Es wurden zahlreiche weitere Organisationen, wie z.B. die CEPETEDE (Zentrum für Ausbildung) und das Institut für Ausbildung INPP besucht. Dort besuchten wir die Werkstätten und erfuhren von den Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Lehrmaterial.
Bei der Besichtigung eines Steinbruches in der Nähe von Kinshasa konnten wir uns an einer Wasserquelle, welche von der einheimischen Bevölkerung aufgesucht wird, selbst ein Bild des Wassermangels machen.
Einen Höhepunkt der Reise stellte die Audienz beim Vizepräsidenten der Republik dar. Sein Vertreter, der Kabinettsdirektor Herr Lucien Mujinga bekräftigte sein Engagement für den Wiederaufbau der DR Kongo und präsentierte in groben Zügen das Regierungsprogramm. Auch hier forderte man uns auf, mit neuen Technologie gegen die Armut zu kämpfen.
Der Minister für Umwelt, Naturschutz, Wasser und Wälder, Herr Anselme Enerunga, unterstrich auch die Wichtigkeit von Fortbildung im Bereich Wasser und Umweltschutz. Auch dieser Bereich wird von uns seit jeher für äußerst wichtig erachtet.
Insgesamt wurde die Reise von uns als großer Erfolg gewertet. Die außerordentliche Gastfreundschaft sowie der Zuspruch, welcher uns von allen Seiten erreichte, hat uns in unserem Vorhaben weiter ermutigt, auch wenn sich dieses im organisatorischen Bereich häufig sehr schwierig gestaltet.
Im Herbst letzten Jahres erfolgte eine Ausschreibung der EU im Rahmen des EU-ACP Water Facility Projektes. Dieses beruft sich auf die vereinbarten Ziele des Wasser-Weltgipfels 2002, bis zum Jahr 2015 die Zahl der Menschen ohne Zugang zu sauberem Trinkwasser und grundlegenden sanitären Einrichtungen zu halbieren. Es bezieht sich auf den gesamten afrikanischen Raum und fördert Projekte mit einem Gesamtbetrag von 500 Mio. €. Da wir uns von dieser Ausschreibung angesprochen fühlten, wurde von uns ein Projekt erarbeitet und eingereicht. Dieses Projekt bezieht sich hauptsächlich auf die Region Ost-Kasai, in der sich ca. 84.000 Flüchtlinge, ein Großteil davon Kinder, niedergelassen haben. Diesen Menschen mangelt es an Trinkwasser, an menschenwürdigen Unterkünften, an medizinischer Versorgung und an einer Perspektive für die Zukunft.
Durch die Installation von Wasserpumpenanlagen sowie von Trinkwasserbrunnen möchten wir der Bevölkerung Zugang zu sauberem Trinkwasser ermöglichen. Die Trinkwasserdesinfektion erfolgt durch UV-Strahlung, es werden keine umweltschädigenden Chemikalien verwendet. Die Bevölkerung erlernt selbst die Bedienung und Installation der Anlagen, um diese nach Beendigung des Projektes selbstständig durchführen zu können.
In Zentren zur Alphabetisierung und Hygieneschulung soll die Bevölkerung im verantwortungsbewussten Umgang mit Trinkwasser und Hygiene geschult werden. Vorträge zu Wasseraufbereitung, Gesundheitsvorsorge und Ernährung sollen die Lebenssituation der Bevölkerung verbessern. Ein verantwortungsbewusster Umgang mit den Wasserressourcen soll die Bevölkerung auch für Umweltbelange sensibilisieren. Eine HIV-Aufklärung soll zur Eindämmung der Krankheit beitragen. Einheimische Kräfte werden für die Schulung und Beratung ausgebildet und können diese auch nach Projektende weiter fortführen.
Wir hoffen sehr, dass unser Vorschlag die Akzeptanz der EU findet und wir mit Hilfe dieser finanziellen Unterstützung unser Projekt verwirklichen können. Bislang wurden alle Aktivitäten von uns selbst finanziert, die Möglichkeiten wurden dadurch natürlich sehr begrenzt. Nach all den Kenntnissen über dieses interessante, aber auch von Problemen gebeutelte Land und den bereits gemachten Erfahrungen wäre es für uns eine große Freude, einen Beitrag zu einer besseren Zukunftsperspektive des Landes und einem menschenwürdigeren Leben für die Bevölkerung beitragen zu können.